|
Welche Herausforderungen kommen auf die Diözesen
und die Katholisch-Theologischen Fakultäten zu? Welche neuen Chancen
bieten sich? Zu diesem Themenkomplex hat am Mittwoch, 19. Juli
2006, an der PTH Benediktbeuern ein Experten-Hearing stattgefunden.
Anwesend waren außer dem PTH-Professorenkollegium auch drei Mitarbeiter
diözesaner Personalabteilungen: Dr. Robert Ochs (Augsburg), Dr.
Thomas Luksch und Mathias Polok (beide München).
Nach der Begrüßung durch PTH-Rektor Prof. P. Dr.
Lothar Bily SDB wies Prof. P.
Dr. Norbert Wolff SDB in einem
Impulsreferat
(pdf, 139 KB) darauf hin, daß es bei der Studienreform nicht allein
um eine Neustrukturierung des Theologiestudiums gehe, sondern
daß es auch zu Änderungen bei den Rahmenbedingungen komme. Der
Staat wolle den Hochschulen mehr Autonomie geben und außerdem
Studiengebühren einführen. Gerade letzteres werde das Studienverhalten
möglicherweise stark beeinflussen. Wolff betonte, daß es in Benediktbeuern
auch weiterhin ein Doppelstudium der Katholischen Theologie und
der Sozialen Arbeit geben werde.
Dr. Robert Ochs ging in seinem Statement davon aus,
daß es in absehbarer Zeit bei den bisherigen kirchlichen Berufsfeldern
bleibe. Als Kompetenzen, die in Zukunft durch das Theologiestudium
besonders gefördert werden sollten, nannte er die Fähigkeit zur
Kontextanalyse (»Zeichen der Zeit erkennen und im Licht
des Evangeliums deuten«), die Fähigkeit zur lebensraumorientierten
Seelsorge und die Fähigkeit zur theologischen Reflexion. Darüber
hinaus komme es auf zielorientiertes, strukturiertes und innovatives
Arbeiten sowie auf Leitungskompetenz an. Mit Blick auf die Benediktbeurer
Hochschulen erklärte er: »Für Diplom-Theologen sollte die
Möglichkeit des Doppelstudiums unbedingt erhalten bleiben.«
Seine Münchener Kollegen schlossen sich diesen Ausführungen
an. Mathias Polok nannte als weitere wünschenswerte Kompetenzen
die Teamfähigkeit und das vernetzte Denken. Außerdem konstatierte
er Veränderungen im Bereich der kirchlichen Jugendarbeit. Dr.
Thomas Luksch wies darauf hin, daß von Berufsanfängern häufig
der Wunsch geäußert werde, der Pastoralpsychologie im Rahmen des
Theologiestudiums einen größeren Stellenwert einzuräumen. Er glaubt,
daß auch das Thema Spiritualität an Bedeutung zunehmen werde.
Von der Modularisierung des Studiums erwartet er sich eine stärkere
Praxisorientierung.
Der Benediktbeurer Jugendpastoraltheologe Prof.
Dr. Martin Lechner stellte
den Entwurf eines praktisch-theologischen Studienmoduls vor, das
sich stark an den geäußerten Erwartungen ausrichtete. Im Sinne
der Profilierung der PTH, so Lechner, sollten hier Schwerpunkte
in den Bereichen Jugendpastoral, Umwelt- und Schöpfungstheologie,
Weltkirche und Spiritualität gesetzt werden.
In der anschließenden Diskussion war man sich einig,
daß es sinnvoll sei, im Rahmen des Studienreformprozesses stärker
zu kooperieren. Die diözesanen Vertreter ermutigten die PTH, die
angestrebten Schwerpunktsetzungen zu realisieren. Dabei sei es
allerdings wichtig, die einzelnen Bereiche gut miteinander zu
verbinden. Letztlich sei eine Theologie im Angesicht der Welt
und in Auseinandersetzung mit ihr notwendig. Zum Schluß gab es
noch ein Lob von Dr. Thomas Luksch: »Es ist schön, daß die
Hochschule den Reformprozeß positiv angeht und schaut, wo sich
Chancen bieten.«
PTH-Pressestelle
/ 21. Juli 2006
Email
|