|
Da an der PTH Benediktbeuern neben der
Jugendpastoral auch die Umweltethik einen Schwerpunkt bildet und
da die hiesige Clearingstelle
Kirche und Umwelt aktiv in kirchliche Stellungnahmen und Praxisprojekte
zu Umweltfragen eingebunden ist, wird an dieser Stelle der Text
der Würdigung wiedergegeben:
Ein ökologisch sensibler Papst
Die Würdigungen des verstorbenen Papstes haben in
den vergangenen Tagen eine Fülle von Aspekten betont, die untrennbar
mit Person und Wirken Johannes Pauls II. verbunden sind. Dabei geriet
jedoch ein Gesichtspunkt in Vergessenheit, der ebenfalls hohe Bedeutung
hatte und für einen Nachfolger womöglich noch größere Dringlichkeit
gewinnen wird: Die Frage der menschlichen Verantwortung für die
Schöpfung.
In seinen Sozialenzykliken, die in den letzten Tagen
zurecht herausragend gewürdigt wurden, hat Johannes Paul II. stets
auf die Rückbindung sozialer Fragen an ökologische Herausforderungen
hingewiesen – insbesondere in »Sollicitudo Rei Socialis«
von 1987 (Nr. 26 und 34) und in »Centesimus Annus« von
1991 (Nr. 37–40). Darüber hinaus hat er im Laufe seines Pontifikats
auf vielfache Weise zu Einzelfragen der Schöpfungsverantwortung
Stellung bezogen. Seine diesbezüglich bedeutendsten und grundsätzlichsten
Äußerungen stammen zweifelsohne vom Weltfriedenstag 1990 und leisteten
damit gedanklich den zentralen kirchlichen Beitrag auf dem Weg zur
UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992.
Unter dem Titel »Frieden mit Gott dem Schöpfer – Friede mit
der ganzen Schöpfung« unterstrich der Papst die untrennbare
Verknüpfung der Problembereiche von Frieden, Gerechtigkeit und Schöpfungsbewahrung
(Nr. 1–2). Die Verschlechterung der Umwelt sei »einer der
besorgniserregendsten Aspekte« der momentanen moralischen
Krise (Nr. 5), könne aber nur gemeinsam mit den wachsenden globalen
Ungerechtigkeiten und den häufigen Kriegen bekämpft werden (Nr.
10–12). Mehr noch als die Nichtglaubenden hätten Christinnen und
Christen die Aufgabe, sich auf der Basis ihres Glaubens an den Schöpfergott
für umweltpolitische Maßnahmen wie für einen umweltverträglichen
Lebensstil einzusetzen (Nr. 15–16). Dieser Lebensstil müsse durch
Einfachheit, Maßhaltung und Verzichtbereitschaft gekennzeichnet
sein.
Im Jubiläumsjahr 2000, das eines seiner größten Herzensanliegen
war, hat Johannes Paul II. am Erntedankfest nochmals einen eindringlichen
Appell zum behutsamen Umgang mit der Schöpfung abgelegt. Die Schöpfung
biete genügend Ressourcen für ein gutes Leben aller Menschen. Wer
dankbar gegenüber den Gaben seines Schöpfers sei, werde daher maßvoll
mit ihnen umgehen, sie geschwisterlich teilen und einem die Umwelt
zerstörenden Konsumismus eine deutliche Absage erteilen.
Mit den Worten »noch ist es nicht zu spät«
unterstrich der Papst schließlich im Juni 2002 zusammen mit dem
orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., die
enorme Dringlichkeit der ökologischen Frage, die unter allen Umständen
von der gegenwärtig lebenden Menschheitsgeneration einer Lösung
nahe gebracht werden müsse.
Als Theologen, die die Schöpfungsverantwortung zum
besonderen Gegenstand ihres Lehrens und Forschens gemacht haben,
hoffen wir daher auf einen Papst, der das Anliegen seines Vorgängers
in diesem Punkt verstärkt fortführt und womöglich mit einer eigenen
Enzyklika zum Schöpfungsthema noch zusätzlich entfaltet und betont.
13. April 2005
Prof. Dr. Andreas P. Alkofer (Chur), Prof. Dr. Karl
Golser (Brixen), Prof. em. Dr. Hans Halter (Luzern), Prof. Dr. Hans
J. Münk (Luzern), Prof. Dr. Michael Rosenberger (Linz), Prof. DDr.
Walter Schaupp (Graz), Prof. Dr. Günter Virt (Wien), Prof. Dr. Markus
Vogt (Benediktbeuern), Prof. Dr. Werner Wolbert (Salzburg)
PTH-Pressestelle
/ 14. April 2005
Email
|