Gerechtigkeit auf die Tagesordnung setzen

Studientag der Benediktbeurer Hochschulen

»Das Soziale neu denken«, so der Titel einer vieldiskutierten Schrift der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz. »Müssen wir nicht vielmehr das Neue sozial denken?« hielt der Benediktbeurer Sozial- und Umweltethiker Markus Vogt provozierend dagegen.

Für ihren gemeinsamen Studientag am 1. Dezember 2004 hatten die beiden Benediktbeurer Hochschulen – KSFH und PTH – das Thema »Sozial ?? Sozial !! Sozial ...« gewählt. Mehr als 100 Interessenten fanden den Weg in den Barocksaal des Klosters Benediktbeuern.

Am Vormittag standen Referate einzelner Professoren auf dem Programm. Pater Horacio E. Lona, Neutestamentler an der PTH, wies darauf hin, daß es in der Heiligen Schrift viele Anknüpfungspunkte zum Thema des Studientags gebe, warnte aber zugleich davor, biblische Aussagen ohne Berücksichtigung des historischen Kontextes in die heutige Zeit zu übertragen. Der ebenfalls an der PTH tätige Markus Vogt machte deutlich, daß die derzeitige Krise der Sozialsysteme nicht nur von der Seite der Bedürftigen her angegangen werden dürfe: »Durch Steuerhinterziehung wird der Staat weitaus mehr geschädigt als durch Sozialbetrug.« Peter Schwarzfischer, Sozialmediziner an der KSFH, setzte sich kritisch mit dem herrschenden Wachstumsparadigma auseinander.

Studierende und Lehrende diskutierten am Nachmittag in insgesamt fünf Arbeitskreisen über das Gehörte. Eine Gruppe begab sich unter der Leitung des Pädagogikprofessors Günther Schatz und des Kunsterziehers Klaus Drescher (beide KSFH) auf Exkursion, um mit Klienten einer sozialen Einrichtung ins Gespräch zu kommen.

Bei der anschließenden Präsentation der Gruppenergebnisse war man sich schnell einig, daß es heutzutage nicht genüge, Anreize für Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger zu schaffen. Vielmehr müsse auf strukturelle Änderungen hingearbeitet werden. Außerdem gehöre das Thema »Gerechtigkeit« auf die gesellschaftliche Tagesordnung. Und schließlich befremde es, daß Energiesteuern – so sinnvoll sie angesichts der Ressourcenknappheit seien – vor allem die Endverbraucher belasteten, was etwa für Pendler oder für Familien mit Kindern Probleme bereitete.

Ein Ziel des Studientags bestand darin, Konsequenzen für den Studienort Benediktbeuern zu formulieren. »Es gibt zahlreiche Themen, die für beide Hochschulen wichtig sind«, so resümierte der PTH-Jugendpastoraltheologe Martin Lechner und nannte beispielhaft den Bereich der kirchlichen Kinder- und Jugendhilfe. Wenn es in zwei Jahren zur Einführung neuer Studiengänge kommen werde, dann könnten KSFH und PTH auf eine neue Weise miteinander kooperieren.

PTH Benediktbeuern / Pressestelle / 4. Dezember 2004
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