Freisemester in Benediktbeuern

Die »Rahmenordnung für die Priesterbildung« sieht vor, daß Kandidaten das dritte Studienjahr (das Jahr nach dem Vordiplom) an einer auswärtigen theologischen Fakultät absolvieren. Die sogenannten »Freisemester« oder »externen Semester« sollen dazu verhelfen, den Erfahrungshorizont zu erweitern, eine größere Eigenverantwortung zu entwickeln und in der Berufsentscheidung zu reifen.

Immer wieder kommen Theologiestudierende deutschsprachiger Diözesen zum Auswärtsjahr nach Benediktbeuern. Derzeit sind es der Schweizer Beat Auer (26), Kandidat des Bistums Chur, und der Niederbayer Hans-Jürgen Zeitler (24), Kandidat des Bistums Regensburg. Beide haben durch Mundpropaganda von der Ordenshochschule erfahren, und beide haben ein Zimmer im Westbau des Klosters bezogen.

Hans-Jürgen Zeitler (li.), Beat Auer (re.)

Beat Auer, der vor dem Eintritt ins Churer Priesterseminar eine kaufmännische Ausbildung durchlief, nennt als Gründe für den Wechsel an die PTH die gute Studienatmosphäre, die wunderschöne Landschaft, das barocke Ambiente und die Gemeinschaft der Salesianer Don Boscos mit ihren Gebetszeiten. Vor allem aber hat ihn die Möglichkeit eines vertieften philosophischen Studiums bewogen, hierher zu kommen. Noch eine Prüfung, dann hat er das Bakkalaureat in Philosophie geschafft, das an der PTH aufgrund der Kooperation mit der römischen Salesianeruniversität erworben werden kann.

Hans-Jürgen Zeitler führt ähnliche Gründe wie sein Kommilitone an. Ihm ging es auch darum, »raus aus der Stadt« zu kommen. Besonders interessieren ihn die Angebote in spiritueller Theologie sowie in christlicher Sozial- und Umweltethik. Der salesianische Namenspatron, der hl. Franz von Sales, ist ihm schon von seiner Schulzeit her vertraut. Nun hat er in Seminaren und anderen Veranstaltungen sein Wissen ausbauen können.

Auf die Frage, was ihnen von Benediktbeuern in Erinnerung bleiben wird, nennen beide Studenten die großen Feste des vergangenen Jahres: die Leonhardifahrt, das Don-Bosco-Fest mit Bischof Homeyer, bei dem sie ministrierten, und das Lernfest, bei dem sie ebenfalls mitwirkten. Insgesamt ziehen sie eine positive Bilanz. Ihre Erwartungen haben sich erfüllt, sie haben neue Leute und auch ein anderes kirchliches Umfeld erlebt.

Nun steht die Rückkehr ins Heimatbistum an. Wenn alles gut geht, werden die Priesteramtskandidaten 2006 ihr theologisches Diplom erwerben und anschließend das Pastoraljahr beginnen, das der Diakonenweihe vorausgeht. Beat Auer möchte dann als Priester »den Menschen die frohe und befreiende Botschaft von der Liebe Gottes bringen«. Hans-Jürgen Zeitler sieht seine Aufgabe darin, »die Menschen in Freude und Leid zu begleiten und mit ihnen die Sakramente zu feiern«.

Das letzte Wochenende verbrachte Beat Auer in seiner Schweizer Heimat, denn beim Papstbesuch in Bern wollte er nicht fehlen. Die an Johannes Paul II. geübte Kritik, die in einer Rücktrittsforderung durch Schweizer Theologen gipfelte, hält er im übrigen »für nicht sehr anständig«. Hans-Jürgen Zeitler schließt sich dieser Auffassung an. Wenn der Papst nach Regensburg käme, wäre er auf jeden Fall gern dabei.

Natürlich gibt es auch Laientheologinnen und -theologen, die zum Auswärtsjahr nach Benediktbeuern kommen. Welche Vorteile dies bietet, mag ein Blick auf das Hochschul-Leitbild verdeutlichen.

PTH Benediktbeuern / Pressestelle / 12. Juni 2004
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