Gastvorlesung des Umweltökonomen Helge Majer

Gleich zu Beginn des Sommersemesters fand an der Philosophisch-Theologischen Hochschule eine Gastvorlesung des Stuttgarter Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Helge Majer statt. Unter dem Titel: »Soziale Nachhaltigkeit. Perspektiven und Maßstäbe für eine ganzheitliche Ökonomie« stellte Majer seine jüngsten Forschungsergebnisse zu einem integrativen Konzept von Nachhaltigkeit vor. Darin weitet er den »Tunnelblick« ökonomischer Kosten-Nutzen-Rechungen auf die sozialen, kulturellen, anthropologischen Voraussetzungen und Aspekte des Wirtschaftens aus.

Der Ökonom plädiert dafür, die drei »Säulen« der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Soziales – nicht neben- oder nacheinander zu betrachten, sondern als dynamisch vernetzte und nur in ihrer Wechselwirkung optimierbare und gestaltbare Größen zu sehen. »Soziale Nachhaltigkeit« sei von »Nachhaltigkeit« nicht zu trennen. Nachhaltigkeit versteht Majer als »Innovationsfaktor« oder Lösungsansatz für Problem- und Aufgabenstellungen, die auf Lebensqualität, Gerechtigkeit und menschliche Kreativität ausgerichtet sind.

Majers Definition von Nachhaltigkeit anhand der Kriterien Langfristigkeit, Gerechtigkeit und Ganzheitlichkeit weist ethischen und sozialen Fragen einen zentralen Stellenwert in der Wirtschaft zu. Ganzheitlichkeit bedeutet, den Blick zu öffnen auf die ganze Breite eines Begriffs. So sei es zum Beispiel unerläßlich, neben den technischen Innovationen auch verhaltensbezogene und organisatorische zu sehen und auch die Beschäftigung nicht nur auf Erwerbsarbeit zu fokussieren.

Mit seinen Forschungsarbeiten zu qualitativem Wachstum gilt Prof. Majer als einer der Vordenker ökologischer Ökonomie. Auch in der Praxis hat er sich einen Namen gemacht, vor allem als Gründer und Vorstand des »Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung«, der 1993 gegründet wurde und nach dem erfolgreichen Anstoß einer Passivhaussiedlung und dem Aufbau eines Netzwerks mit Unternehmen zum nachhaltigen Wirtschaften gegenwärtig die Gründung einer »Akademie für Zukunftslernen« anstößt.

Die Gastvorlesung stand im Kontext einer Reihe von PTH-Lehrangeboten zum Thema Schöpfungsverantwortung. Dadurch sowie durch praktische Initiativen zum Umweltmanagement (Öko-Audit) baut die Hochschule – ihrem Leitbild gemäß – den Bereich der »Nachhaltigkeit« zu einem Schwerpunkt aus.

Prof. Dr. Markus Vogt / 25. März 2004
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