Geld ist kein Name für Gott

Theologen diskutieren über die christlichen Grundlagen der Sozialarbeit

Der christliche Glaube kann eine besondere Bedeutung für die soziale Arbeit und Pflege haben. Dieses Fazit zog der »Arbeitskreis Theologinnen und Theologen in der Caritas« nach einer Tagung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer Don Boscos Benediktbeuern. Professor Dr. Martin Lechner, der das »Werkstattgespräch« organisiert hatte, sagte, der christliche Glaube ziele »auf eine unhintergehbare Menschenwürde, die unabhängig von Leistungen und Fehlleistungen ist.« Von einer christlich inspirierten Sozialarbeit und Pflege erwarteten die Menschen, daß sie aus einem tiefen Verständnis um Lebenswirklichkeit, Lebensschicksal und Möglichkeiten des bedürftigen, leidenden und zu erziehenden Menschen heraus handele. Von der Kirche erhoffe man einen ganzheitlichen, heilsorientierten Dienst, der über die Hilfen zur unmittelbaren Lebensbewältigung und Selbstverwirklichung hinausgehe, und auch das Scheitern von Lebensentwürfen, das Leid, ja selbst den Tod noch zu umgreifen vermöge. Die christliche Motivation und christliche Inhalte im Alltag der Sozialarbeit zur Sprache zu bringen, sei eine stete Herausforderung an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere an die Führungskräfte. Dabei bräuchten sie Unterstützung durch die Träger der Einrichtungen und Dienste. Die rund 30 Theologinnen und Theologen aus dem ganzen Bundesgebiet regten an, daß die Caritas noch mehr als bisher religiöse Fortbildungen und Besinnungstage für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anbiete.

Heftige Kritik übten die Teilnehmenden an der gegenwärtigen Sozialpolitik, die sich nur noch am Geld orientiere. »Geld ist kein Name für Gott. Das Soziale darf auch heute nicht zuerst von der Wirtschaft her gedacht werden«, hieß es in einer Gesprächsrunde bei der Tagung. Im Mittelpunkt müsse der notleidende Mensch bleiben. Der bayerische Landes-Caritasdirektor Prälat Karl-Heinz Zerrle rief die Theologen dazu auf, in ihren Verbänden immer wieder an das christliche Fundament der Sozialarbeit zu erinnern. Die Caritas müsse sich im klaren sein, daß sie in ihrer Arbeit einer »Option für die Armen« verpflichtet sei.

Bernd Hein (LCV Bayern) / 10. März 2004